Ausstellung im Stadtmuseum Münster über die Bedeutung des Westfälischen Friedens für die Stadt

Wie wichtig war der Westfälische Frieden im Laufe der Jahrhunderte für Münster? Welche Jubiläen wurden wie gefeiert? Und: Wie ging man im Nationalsozialismus mit dem Thema um? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung im Stadtmuseum mit dem Titel: »Ein Grund zum Feiern? Münster und der Westfälische Frieden«. Damit richtet sich der Blick in besonderer Weise auf die Stadt und ihren Umgang mit diesem prägenden Ereignis. Die Ausstellung ist eine von insgesamt fünf Ausstellungen zum Projekt Frieden.Europa

»Man denkt immer, dass der Westfälische Friede für Münster in jeder Zeit ein Grund zum Feiern war. Aber das ist nicht so«, erläutert Dr. Bernd Thier, einer der wissenschaftlichen Verantwortlichen der derzeitigen Sonderausstellung. »Der Westfälische Friede wurde immer auch als eine Niederlage für die Katholiken verstanden. Dieses Bild dominierte auch in Münster lange Zeit. Während zum Beispiel in Augsburg an den Frieden erinnert wurde, hat Münster diesen Gedenktag lange ignoriert.«

Der Westfälische Friede wurde nicht ins Bild gesetzt

Gleich im Eingang der Ausstellung zeigt ein Gemälde von Gerhard ter Borch den Einzug des niederländischen Gesandten. Ein interessantes Detail: Da es nur Vertretern souveräner Staaten gestattet war Sechsspänner zu fahren, hätte dieser Adrian Pauw so eigentlich nicht einfahren dürfen. Er tat es und ließ es in diesem Bild dokumentieren, um den Wunsch der Unabhängigkeit der Niederlande von Spanien zum Ausdruck zu bringen. Daneben hängt vom gleichen Maler die Beschwörung des spanisch-niederländischen Friedens im Friedenssaal Münster (eine Kopie, das Original befindet sich im LWL-Museum für Kunst und Kultur). Dr. Bernd Thier erklärt mir: »Schon hier fällt auf, dass der Westfälische Friede in Münster nicht in Gemälden festgehalten wurde. Es gibt den Einzug Adrian Pauws und den Spanisch-Niederländischen Frieden. Zum Westfälischen Frieden selbst gibt es dagegen kein Bild.« Einzig der »Friedensreiter« – eigentlich ein Postreiter, der die Botschaft des Friedensschlusses im Land verkündete – sei als Motiv vorhanden.

Damit ist das Motto der Ausstellung schon eingeläutet: War der Westfälische Friede für Münster ein Grund zum Feiern? Eine gute Frage, denn tatsächlich war dies lange Zeit nicht so recht der Fall.

100 Jahre Westfälischer Friede feierten vor allem die Protestanten

Das erste große Jubiläum war, das machen die Belege deutlich, ein Fest für Protestanten. »Es gab Feierlichkeiten in Osnabrück und diese verschiedenen Gedenkmedaillen zum Beispiel aus Augsburg. In Münster dagegen gab es nichts«, stellt Dr. Thier anhand der Exponate fest.

Bei der 200-Jahr-Feier stand der Nationalstaat im Mittelpunkt

Wie sah es 100 Jahre später aus? »Auch zu diesem Jubiläum können wir nur wenig zeigen«, erläutert der Experte. Wir haben wieder eine Gedenkmedaille, diesmal aus dem Elsass, und ein Gedenkbuch, das in Nürnberg erschien. Im Jahr 1848 wurde allerdings nicht nur in Münster, sondern in ganz Deutschland wenig an den Westfälischen Frieden erinnert. Es war das Revolutionsjahr, und mit dem neuen deutschen Selbstbewusstsein im Zuge der Gründung eines Nationalstaates rückte der Westfälische Friede in die Ecke des ,Verrates deutscher Interessen gegen Frankreich‘«.

Das erste Jubiläum, das in Münster zumindest ein wenig gefeiert wurde, war das im Jahr 1898, also 250 Jahre nach Friedensschluss. Der Grund könnte ein zufälliger gewesen sein: 1898 traf sich in Münster der Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine. Das bedeutete: Es waren viele Historiker vor Ort. Ob dies dazu führte, dass der Magistrat das Jubiläum zumindest nicht ganz übergehen wollte, ist nicht überliefert. Es gab jedenfalls die erste offizielle Feier und ein Gedenkbuch zum Westfälischen Frieden, welches man in der Ausstellung sehen kann. Außerdem kam in diesen Tagen die Idee eines Friedensdenkmals auf, das aber erst im Jahr 1905 aufgestellt wurde und auch nicht allzu lange stand, da es im Zuge der Kriegshandlungen im Zweiten Weltkrieg zu Waffenmaterial eingeschmolzen wurde.

Fritz Grotemeyer malt die Friedensverhandlungen

Nach diesem ersten offiziellen Jubiläum entstand nun endlich auch ein Gemälde zum Westfälischen Frieden. Der aus Münster stammende Fritz Grotemeyer bot an, die Friedensverhandlungen ins Bild zu setzen. Es entstand ein beeindruckendes Werk, auf dem vermeintliche Gespräche im Rathaus Münster, die historisch so nie stattgefunden haben, großformatig dargestellt sind. Das Besondere: Die Original-Gesandten wurden von ihm zwar möglichst exakt gemalt, aber ihre Köpfe ersetzte er durch Stadtpersönlichkeiten seiner Zeit. In der Ausstellung kann man die Personen auf dem Gemälde interaktiv durch einen Lichtstrahl ansteuern und erfährt so etwas über das dargestellte Vorbild aus der Stadt Münster. Innerhalb der Sonderausstellung hängt übrigens eine Kopie des Bildes. Das Original ist im Museum an seinem Stammplatz verblieben, da es aufgrund seines Formates nur schwerlich umzuziehen wäre. Dr. Thier: »Die Idee mit den Lichtspots hat ein sehr positives Echo gefunden. Wir prüfen daher jetzt, ob wir diese Technik nach der Sonderausstellung auch für das Original einsetzen können.«

Die Nazis planen eine Ausstellung gegen den Westfälischen Frieden

Ein sehr spannender Teil der Ausstellung ist das nächste Jubiläum, das anstand: 300 Jahre Westfälischer Friede im Jahr 1948. Als die Planungen für dieses Datum begannen, waren die Nazis an der Macht. Sie hatten eine klare Sicht auf den Westfälischen Frieden: Er wurde als »Zwangsfriede« mit Frankreich gedeutet, den es zu überwinden galt. Um diese Haltung deutlich zu machen, war eine imposante Ausstellung zum 300-jährigen Gedenktag geplant, die vollständig dokumentiert ist. Dr. Bernd Thier zeigt mir, mit welcher Akribie und Systematik Dokumente umgedeutet und historische Fakten »verbogen« wurden. Die gesamte Ausstellung sei ein Beleg für die extrem wirkungsvolle Propaganda-Arbeit der Nationalsozialisten. »Es ist ganz furchtbar, diese Texte zu lesen und zu sehen, wie verfälschend Wissenschaftler damals mit Geschichte umgegangen sind«, stellt er fest. Die Ausstellung wurde zwar fertiggestellt, aber glücklicherweise nie gezeigt. Zum 300. Jubiläum war die Zeit der Nazis zu Ende, Deutschland und auch Münster lagen in Trümmern.

1948 feiert ein zerstörtes Münster ein Fest für den Frieden

Die Kriegswirren, der Hunger und die Zerstörung hielten die Bewohner von Münster nicht davon ab, im Jahr 1948 des Westfälischen Friedens zu gedenken. Als ein Symbol für einen hoffentlich nachhaltigen europäischen Frieden wollte man dem Ereignis gedenken. Mit einem großen Stadtfest, historischen Kostümen und vielen Festreden wurde der 24. Oktober 1948 begangen. Der Friedenssaal wurde mit großem finanziellen Aufwand wiederhergerichtet und man ließ Friedenstauben auf dem Dorfplatz aufsteigen. Damit bekamen die Verhandlungen von 1648 erstmals eine positive Wertung, die sie bis heute behalten haben.

Spannende Einblicke

Die Ausstellung im Stadtmuseum ist darauf angelegt, dass man sie eigenständig ohne eine Führung verstehen kann. Der Eintritt ist frei und man kann jederzeit »auf einen Sprung« hineinschauen. Mit ausführlichen Texttafeln werden die Exponate und ihre Bedeutung erklärt. Dadurch wird schnell deutlich, worum es geht und welche Geschichte erzählt wird. »Es war nicht immer einfach, das Wesentliche eines Ausstellungsstücks auf den kurzen Text der Tafel zu reduzieren. Aber es ist am Ende doch immer gelungen«, beschließt Dr. Thier unsere Führung.

Insgesamt kann ich den Besuch im Stadtmuseum nur empfehlen. Eine wirklich schöne und kompakte Ausstellung, die spannende Einblicke bietet.


In fünf begleitenden Ausstellungen mit dem übergeordneten Titel »Frieden. Von der Antike bis heute« wird das Thema unter der historischen Bedeutung des 1648 in Münster geschlossenen Westfälischen Friedens beleuchtet. Zu sehen sind hochrangige Exponate aus internationalen Sammlungen.



Berichterstattung des WDR zu den Ausstellungen:


Foto Bannerbild: Außenansicht Stadtmuseum Münster. © Rena Ronge

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