»Das Thema Frieden bewegt gerade die Kinder sehr« – Gespräch mit Kunstvermittlerin Doris Wermelt

 

»Wir kümmern uns um alle«, so Doris Wermelt über den Vermittlungsansatz im LWL-Museum für Kunst und Kultur. »Unsere Projekte sind nicht nur für Kinder ausgelegt. Wir haben Konzepte für das Thema Inklusion, für Schulklassen, Familien usw. Bei jeder Ausstellung entwickelt unser Team von Vermittlern im LWL-Museum Konzepte, wie das Thema für die verschiedenen Zielgruppen vermittelt werden kann«, führt die junge Frau aus.

Das Thema Frieden findet sie eine besonders spannende Herausforderung, da es dabei nicht um einen bestimmten Künstler oder eine Kunstrichtung geht. »Wir waren nicht sicher, wie die Vermittlung bei einem solch weit gefassten Thema gelingen würde, sind aber sehr positiv überrascht«, so die engagierte Kulturwissenschaftlerin. »Es ist unglaublich, wie viele Geschichten wir Tag für Tag hören. Viele unserer Besucherinnen und Besucher verbinden etwas sehr Persönliches mit dem Thema Frieden. Ältere Menschen berichten vom Zweiten Weltkrieg, Geflüchtete von ihren Erlebnissen vor oder während der Flucht.«

Ich frage, ob es denn ein konkretes Ziel gebe, das über den Ansatz der persönlichen Vermittlung erreicht werden soll. Doris Wermelt antwortet: »Ein klar definiertes Ergebnis unserer Workshops oder Führungen geben wir nicht vor. Wir möchten erreichen, dass sich Besucherinnen und Besucher mit dem Thema auseinandersetzen. Wenn am Ende die Perspektive erweitert wurde oder ein neuer Blickwinkel vermittelt werden konnte, haben wir unser Ziel erreicht.« Doris Wermelt betont, dass dafür vor allem der Dialog und Austausch wichtig seien. »Interessanterweise ist es bei dem Thema Frieden einfach, in den Dialog zu kommen. Wer in die Ausstellung kommt, möchte sich dazu austauschen und bringt oft etwas Persönliches mit. Die Gespräche sind intensiv. Das ist toll«, erzählt sie mir.

Zeichen für den intensiven Austausch zeigen sich an verschiedenen Stellen der Ausstellung des LWL-Museums mit dem Titel »Wege zum Frieden«. So gibt es gleich zu Beginn einen Schaukasten mit dem Titel »Mein Stück Frieden«. Hier können Besucherinnen und Besucher selbst etwas mitbringen, dass für sie Frieden symbolisiert. »Diese Möglichkeit wurde sehr gut angenommen«, so Wermelt. Im Schaukasten finden sich diverse Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, aber auch Kinderbilder, Figuren und persönliche Gegenstände. Zu allen Stücken gibt es eine kleine Geschichte, die man nachlesen kann. »Es ist sehr berührend, was wir erfahren«, so Doris Wermelt.

Ein zweites Dialogelement ist die Zettelwand am Ende der Ausstellung. Jeder, der möchte, kann eine persönliche Botschaft zum Thema Frieden hinterlassen. Doris Wermelt, ihre Kolleginnen und ich stehen lange vor dieser Wand. Es gibt viel zu entdecken. Sprüche wie »Make peace not war« oder »Friede Freude Eierkuchen«. Einzelne Begriffe oder Begriffsgruppen wie »Freiheit«, »Freundschaft« oder »Liebe«. Zitate und Geschichten, aber auch Bilder und Papierbasteleien. »Wir hatten eigentlich nur die Wand neben dem Ausgang für die Zettel geplant. Inzwischen hängt der halbe Raum voll. Das finden wir natürlich großartig«, freut sich das Team.

Schließlich gibt es noch ein drittes Element, das auf die Vielfalt des Themas Frieden hinweist. In den Ateliers steht eine große Graffiti-Wand. Sie wurde für die »Junge Nacht« im Museum aufgestellt und wird seitdem von Kinder- und Jugendgruppen weiter befüllt. Ein buntes, launiges, tiefsinniges Wandbild ist inzwischen entstanden, das viele Zeichen und Symbole zum Frieden enthält. Auch eine Form von Dialog und Austausch.

Und wie gehen die ganz Kleinen mit dem Thema Frieden um? Doris Wermelt erklärt, dass sie das Thema mit Kindern ab vier oder fünf Jahren bearbeiten. »Bei den Kleinen geht es meist um konkrete Beispiele aus dem Alltag. Streit zu Hause oder im Kindergarten, mit anderen Kindern oder Erwachsenen. Diese Themen berühren gerade Kindergartenkinder sehr stark. Sie haben dazu eine Menge zu erzählen und möchten auch vieles erfahren.« Vereinzelt gebe es durchaus auch Kinder, die sich über die Gefahr von Kriegen Sorgen machten. Es sei daher sehr wichtig, auch mit den jüngeren Kindern im Rahmen der verschiedenen Projekte in den Dialog zu kommen.

Doris Wermelt arbeitet bereits seit 2003 im LWL-Museum. Seit einigen Jahren ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kunstvermittlung. Der Job begeistert sie sichtlich. Sie erfährt eine Menge – auch vieles, was sie berührt. So habe sie einmal in einer Gesprächsrunde mit einem Geflüchteten über ein Plakat gesprochen, das Hitler als Friedensstifter darstellt, indem er Deutschland vom feindlichen Ausland abschottet. Der Besucher erkannte darin eine Mechanik wieder, die seiner Ansicht nach gegenwärtig sehr verbreitet sei: Friede werde gerne mit Nationalität in Verbindung gebracht. Alles Fremde bringe Unruhe und müsse draußen bleiben. Der Mann, der schon lange Jahre in Deutschland lebt, hat heute manchmal Angst, dass der Frieden in seiner jetzigen Heimat Deutschland nicht von Dauer ist. »Seitdem sehe ich dieses Plakat mit anderen Augen«, sagt Wermelt.


Weitere interessante Einblicke in die Ausstellung »Frieden. Von der Antike bis heute« und ihre zugehörigen fünf Ausstellungsorte gibt es in diesem Video des LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster.

 

 

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