Religion und Frieden in Münster

Der Paulusdom in Münster ist immer einen Besuch wert – aber ein aktuelles Gastspiel geht in die Verlängerung und wertet den ohnehin sehenswerten Dom noch weiter auf. Die Rede ist von der Friedensausstellung „Biete Frieden“ von 14 jungen Künstler*innen der hiesigen Kunstakademie (Klasse der Professoren Dirk und Maik Löbbert). Ursprünglich war sie bis zum 2. September geplant (zeitgleiche Finissage mit der großen museumsübergreifenden Ausstellung »Frieden. Von der Antike bis heute«), jedoch gab es so viele Anfragen, dass sie nun bis zum 10. Oktober zu sehen sein wird. 

Warum bis zum 10. Oktober?

Dieses Datum bedeutete für den Paulusdom einen tiefen Einschnitt der Geschichte: Vor 75 Jahren zerstörten die Bomben des 2. Weltkrieges das Gotteshaus, das Bischofpalais und nahezu die gesamte Innenstadt der Domstadt.

Wenn man weiß, dass der Münsteraner Dom im Zweiten Weltkrieg schwerstens beschädigt worden ist, ist dieses große und großartige Bauwerk noch beeindruckender. Der Wiederaufbau nach altem Vorbild in Proportionen und Stil hat sich für alle nachfolgenden Generationen vielfach gelohnt.

Die steinernen Apostel- und Heiligenfiguren, die die Täufer im 16. Jahrhundert bilderstürmerisch zerschlugen, verwendeten sie auch zur Verstärkung der Stadtwälle – und dort fand sie Max Geisberg 1897 bei Grabungen an der Kreuzschanze wieder. Heute findet man einige von ihnen im Neubau des LWL-Museums für Kunst und Kultur mit Blick auf ihren einstigen Standort.

Woraus besteht die Kunst-Ausstellung im Dom?

Die Idee Pascale Feitners sind die großen Augen auf den beiden Domtürmen – ein beliebtes Motiv auch in den sozialen Medien. Und auch jede der anderen kreativen Ideen ist einzigartig berührend, leider ist es jedoch das Wesen von Ausstellungen, dass sie endlich sind und so sind auch manche der Kunstakademie-Ausstellungsbestandteile nur temporär sicht- oder hörbar.

  • Der leuchtende Schriftzug „As-salamu’aleikum“ über dem Paradies-Eingang- Künstler: Fridolin Mestwerdt – hat zwei „Geschwister“: „Shalom aleichem“ an der Attawba-Moschee am Lütkenbecker Weg und „Friede sei mit euch“ war an der Synagoge (Promenaden-Seite) zu sehen. Friedensgrüße der jeweils anderen abrahamitischen Religionen, eine tolle Idee! Auf dem offiziellen Blog der Türmerin von Münster wurde diese interreligiöse Friedenskunst mit Fotos vorgestellt. Dort kann man ihr noch einmal nachspüren.
  • „Ein Denkmodell des Universums: Der Frieden“ (Ilsuk Lee) – ein Kreuz leuchtet in einem Monolithen im Paradies-Eingangsbereich des Paulusdoms.
  • „Ein ruhiger Altar“ (Jinuk Choi) – Mahlers Auferstehungssinfonie in liturgischen Farben, aber ohne Ton als Videoinstallation, meditativ schön.
  • „Nimm das Licht mit oder verschicke es“ (Marlena Gundlach) – Opferkerzen als Postkarte, ich habe auch schon welche verschickt.
  • „Narben hinterlassen“ (Amelie Hirsch) – Wunden des Doms in Bezug zu menschlichen Wunden.
  • „Porte du Ciel“ (Justyna Janetzek) – das Friedenstor schwebte zur Vernissage vor das Westportal (welches nach dem 2. Weltkrieg in völlig veränderter Form wieder aufgebaut worden ist, mit der „Wählscheibe“ bzw. dem „Kellerfenster“, nach dem damaligen Bischof Keller).
  • „Innerer Frieden“ (Holger Küper) – neugestaltete Kirchenfenster(folien) auf der Südseite mit grüner Wiese und gelbem Zelt.
  • „Hortus Conclusus“ (Peter Lepp) – das Hohelied Salomo wurde auf Arabisch und Hebräisch im Kachelzimmer gegeben.
  • „Zusammensetzen, auseinandersetzen“ (Tonio Nitsche) – inspiriert durch Eduardo Chillida und seine Bänke: zwei Sofas auf einem Teppich, einander zugewandt als Bet-, Beicht- und Diskutiermöglichkeit.
  • „Die Suche nach den Dingen“ (Moritz Riesenbeck) – ein Leuchtstab fährt langsam im Westchor von oben herab und wieder hinauf, wenn man etwas Zeit und Ruhe mitbringt, wirkt das Beobachten der langsamen Bewegung fast schon therapeutisch.
  • „Wir alle machen Fehler“ (Lis Schröder) – dieser Satz wurde bei der Vernissage als Mantra gesungen.
  • „Scheingarten“ (Yoana Tuzharova) – das Portrait einer Bettlerin als leuchtende Figur zwischen Licht und Schatten.
  • „Porron“ (Yuren Wu) – Grammophon-Kirchenlieder ertönen aus einem Schiff.

Und auch eine App lässt uns die Friedensorte in Münster jetzt über alle Ausstellungsfinissagen hinaus erfahren:
Entwickelt haben diese App das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, das Archäologische Museum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), das Bistum Münster sowie das Stadtmuseum Münster.

Sie richtet sich (nicht nur) an Jugendliche und junge Erwachsene und zeigt in Texten, Videos und Fotos und mit einer navigierbaren Karte die Themen Krieg, Konflikt und Frieden in Münster. Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Hornsignale der Türmerin auf St. Lamberti  auch Friedenssignale sind? Kein Feuer, kein Feind – so ihre Bedeutung seit 1383.

„Friedensorte in Münster“ ist über den Google Playstore (Android) und den Appstore (iOS) kostenlos erhältlich.

Und eine weitere friedliche Ankündigung im Friedensjahr 2018: Der Film „1648 – Der lange Weg zum Frieden“ wurde unter anderem auch auf der St. Lambertikirche gedreht, die Zeugin der wechselvollen Geschichte Münsters war, mit den Täuferkörben – und allabendlich mit dem Friedenssignal der Türmerin.

Termine:

  • So, 21.10.2018 um 14 Uhr auf ARTE
  • Mi, 24.10.2018 um 23:20 Uhr im WDR
  • Am 9. März 2019 zeigt ARTE den Film noch einmal um 20:15 Uhr

Bildnachweis: © Brigitte Kappenberg

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