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Was bedeutet Frieden? Stimmen vom Katholikentag 2018

Von |2018-05-22T17:19:20+00:0016.05.2018|Kategorien: DE, EN, Unkategorisiert|Tags: , , , , |1 Kommentar

 

In der vergangenen Woche fand in Münster der 101. Katholikentag statt. Etwa 90.000 Menschen besuchten laut Veranstalter die über 1.000 Events zu verschiedensten Themen. Das übergeordnete Motto zu allen: »Suche Frieden«. Für unser Friedensblog-Projekt ein super Anlass, mich auf den Weg zu machen und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu befragen. Wir wollten wissen: Welche Vorstellungen, Idee und Erwartungen verbinden die Menschen mit dem Begriff? Wie weit muss Frieden gefasst sein? Warum ist es wichtig, darüber ins Gespräch zu kommen – gerade heute, wo wir täglich in Nachrichten und sozialen Medien über alle Kriege der Welt ständig informiert werden?


Das Thema Frieden hat viele Facetten

Wolkenverhangen, aber trocken beginnt der Katholikentag in Münster. Bei unserer Ankunft am Pressecounter läuft gerade die große Eröffnungsmesse. Entsprechend ruhig ist es am Check-in. Mit Presseausweisen ausgestattet starten der Kameramann und ich die Befragung der Besucherinnen und Besucher.

Fast schon magisch angezogen werden wir von einer Wiese, auf der eine Reihe bunter Kreuze ausgestellt sind. Es sind Kreuze von Kriegsgräbern zum Ersten Weltkrieg, die von Schülerinnen und Schülern gestaltet wurden. In einem angrenzenden Zelt finden wir einen Verantwortlichen zu diesem Projekt. Heinrich (66) erklärt mir: „Es ist schwer, das Thema Frieden konkret an junge Menschen zu vermitteln. Frieden zu beschreiben gelingt den meisten kaum. Aber umgekehrt kann jeder über Krieg sprechen. Das Bild des Friedens ergibt sich dann aus dem Gegenbild. Das war die Idee.“

Kreuze auf dem Katholikentag 2018 in Münste

(Bunte Kriegsgräberkreuze zum Ersten Weltkrieg, gestaltet von Schülerinnen und Schülern; Foto: result gmbh)

Schülerin Barbara (17) ergänzt: „Wir haben die Kreuze mit der gesamten Jahrgangsstufe gestaltet. Jeder sollte seine Sicht auf den ersten Weltkrieg umsetzen.“ Dies habe dazu geführt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Für Barbara ist Frieden vor allem eines: Gerechtigkeit. Denn auch im Kleinen sei es doch so, erklärt sie mir: Konflikte müsse man gerecht lösen, damit alle zufrieden seien.

Draußen vor dem Zelt begegnen wir dann einer Seelsorgerin. Barbara, 55 Jahre, aus Oldenburg. Für sie ist Frieden in erster Linie ein Thema im familiären Umfeld: „Ich erfahre ständig, wie belastend es ist, wenn Familien in Unfrieden miteinander leben. Frieden im privaten Miteinander steht für mich im Vordergrund, wenn ich an dieses Thema denke.“

Ganz anders dagegen die Perspektive von Moutsam (20), der vor dem Krieg aus seiner Heimat Syrien flüchtete. Für ihn bedeutet Frieden die Abwesenheit von Krieg und damit die Basis von allem: „Ohne Frieden, kann man gar nichts machen. Frieden ist das Wichtigste, die Grundlage unseres Lebens. Wenn Krieg herrscht, fällt alles zusammen.“

Frieden beginnt schon im Kleinen

Wie aber gelingt es, vom Krieg zum Frieden zurückzufinden? Der 79-jährige Werner aus Osnabrück weiß davon zu berichten. Er flüchtete während des Zweiten Weltkrieges mit seinen Eltern nach Frankreich. Dort war er – ein Kind (!) – in der Schule wie auch bei den Einheimischen erst einmal „der Feind“. Dennoch ließ er sich in seiner Suche nach Freundschaft nicht beirren. „Ich habe es geschafft. Wenn ich jetzt aus Deutschland wieder nach Frankreich in das Dorf meiner Kindheit reise, werde ich als einer aus dem Dorf begrüßt“. Egal, welche Perspektive man auf das Thema Frieden habe, sagt Werner, wichtig sei, im Kleinen damit zu beginnen und für Zufriedenheit und Gerechtigkeit zu sorgen. Nur so könne man auf Dauer konfliktfrei zusammenleben.

Wie steht es um Frieden.Europa?

Für die meisten ist dieses Thema noch offen. Viele der befragten Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Katholikentages finden, dass Frieden in Europa bisher nur teilweise gelungen sei. Denn, so der einhellige Tenor: Obgleich wir hier in Frieden lebten, sei in vielen Nachbarländern noch keine Stabilität erreicht.

Während wir diese Stimmen einfangen und dabei unseren Weg durch Münster und den Tag fortsetzen, spricht derweil Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Messe- und Kongresscentrum Halle Münsterland über „Frieden durch internationale Kooperation“. Obwohl die Stadt einem Staatsmannsbesuch entsprechend gesichert ist, haben wir gar nicht den Eindruck, von viel Staatsgewalt umgeben zu sein. Polizei, Sicherheitskräfte, Besucher und die vielen bunten Stände – alles fügt sich zu einem entspannten und friedlichem Ganzen. Oder, wie Die Welt es so treffend schreibt: „Der Katholikentag scheint in Münster tatsächlich eine Heimat zu finden. Das mag auch an der Geschichte der Stadt liegen, in der 1648 der vor genau 400 Jahren ausgebrochene Dreißigjährige Krieg beendet wurde.“

Jeder kann etwas zum Frieden beisteuern

Es ist eine durch und durch friedliche Veranstaltung, die wir in Münster erleben und das Thema Frieden ist auch in den Köpfen präsent. Entsprechend fällt jedem etwas ein auf meine Frage: „Was kannst Du selbst zum Thema Frieden beitragen?“ Die aus meiner Sicht schönsten Antworten lauteten:

  • „Jedem Menschen so zu begegnen, als wäre er mein Bruder.“
    Tobias (34 Jahre)
  • „Gut schlafen und in sich ruhen, denn nur dann ist man ausgeglichen genug für Frieden.“
    Michaela (51 Jahre)
  • „Zu allen Menschen freundlich sein und versuchen, immer sein Bestes zu geben.“
    Anna-Lena (16 Jahre)

Was denkt Ihr, was wir – jeder Einzelne oder als Gemeinschaft – für das Thema »Frieden« tun können oder tun sollten? Schreibt Eure Gedanken und Vorstellungen in einem Kommentar! Lasst uns ins Gespräch kommen, damit wir damit ebenfalls etwas zum Thema Frieden beitragen.

(Titelbild zum Beitrag auf der Startseite www.friedensblog.eu: Philipp Wildfeuer, result gmbh)

Ein Kommentar

  1. Jens Strasser 22. Mai 2018 um 16:49 Uhr - Antworten

    Frieden ist für mich, unsere europäischen Nachbarn ohne Schlagbaum und Kontrollen besuchen zu können und dort mit offenen Armen empfangen zu werden.

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