Wie geht Frieden?

Von |2018-06-14T11:08:22+00:0014.06.2018|Kategorien: DE, Unkategorisiert|Tags: , , , |0 Kommentare

So kurz diese Frage auch sein mag, umso schwieriger ist es, eine passende Antwort darauf zu finden. Auf dem großen Aktions- und Familientag am vergangenen Sonntag wurde in Münster von den Ausstellungsmachern der Kooperation »Frieden. Von der Antike bis heute« mithilfe vieler toller Akteure genau diese Frage von unterschiedlichen Seiten her beleuchtet. Was gehört zum Frieden dazu? Wie können Menschen sich verhalten, um Frieden zu gewährleisten. Welche Grundlagen benötigt Frieden?

Unter dem Motto: »Ein Tag, sieben Stunden, ein Thema« konnten Gäste wie auch Bewohner von Münster die Friedens-Ausstellungen in den Museen der Stadt und viele unterschiedliche Aktionen zum Thema Frieden besuchen. Im Stundentakt wurden die Angebote wiederholt oder fortgeführt, sodass man in der Innenstadt von Station zu Station wandern konnte.


Mein Tag, meine sieben Stunden zum Thema »Frieden«

TanzRaum für den Frieden

So habe ich mich also mitsamt Kindern auf den Weg nach Münster gemacht und traf pünktlich ein zur Eröffnung im Foyer des LWL Museums. Dort erwartete uns eine Tanzvorführung der inklusiven Tanzschule TanzRaum, bei der man Frieden tatsächlich hautnah erleben konnte. Ich habe sie zwar nicht gezählt, aber es waren sicher über 60 Tänzerinnen und Tänzer in abwechselnden Konstellationen eingebunden, es gab kleine und große, junge und nicht mehr ganz so junge. Es performten Künstler mit Handicap und welche ohne. Aber in einem waren sie gleich: Alle haben bei diesem bunten Feuerwerk aus Tänzern, Tüchern, Farben und Musik ein strahlendes Lächeln zur Schau getragen. Ich habe zwischendurch schon das ein oder andere Tränchen verdrückt. Definitiv mein Lieblingsact an diesem Tag!


Bild: Tücher werden vor Freude und Überschwang in die Luft geworfen.
(Quelle: www.Stadtkonfetti.de)

 

Live-Tutorial zu Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit

Meine Kinder kennen ihn und waren hin und weg, als sie hörten, dass der Youtuber Mirko Drotschmann (O-Ton: »Das ist doch der Dings von Wissen2Go!«) uns im Auditorium des LWL-Museums erklärte, was es mit den Menschenrechten auf sich hat. Wie auch in seinen YouTube-Tutorials war der komplexe Stoff komprimiert und verständlich dargestellt: von der Magna Carta bis zu den heutigen Menschenrechtskonventionen – und alles mit anschaulichem Bildmaterial präsentiert.

Bild: Mirko Drotschmann
(Quelle: www.Stadtkonfetti.de)

Ich finde, dass seine Art, einen Vortrag zu halten, genau richtig ist, um Kinder und Jugendliche für ein Thema zu begeistern. Meinen Kids hat es jedenfalls Spaß gemacht, und weil wir ganz vorne gesessen haben, konnten wir hinterher sogar noch einen kleinen Plausch mit Mirko Drotschmann halten.


Mädchen und Junge – so anders?

Das Forumtheater inszene e. V. kann Theater – aber so richtig! Das Stück »Mädchen und Jungen – so anders?« ist nicht etwa ein »normales« Stück. inszene e. V. hat hier Improtheater vom Feinsten gezeigt. Die Schauspieler gaben eine vor allem an Jugendliche gerichtete soziale Interaktion vor, und das Publikum konnte interaktiv und durch Zurufe die Geschichte »neu schreiben«. Sobald die Zuschauer entschieden, dass der Junge nicht über WhatsApp mit dem Mädchen Schluss machen sollte, wurde die Szene quasi »zurückgespult« und die Beendigung der Beziehung aus dem Stehgreif in der neuen Fassung gespielt. Und das ganz hervorragend!

Bild: Der Junge soll seiner Freundin von Angesicht zu Angesicht sagen, dass er Schluss macht
(Quelle: www.Stadtkonfetti.de)

 

Mythen und Märchen zum Traum vom Frieden

Da das »Erzählen selber glücklicherweise ja ein sehr friedlicher Vorgang ist« (Zitat André Wülfing vom Theomobil e. V.), passte das Erzählerzelt auf dem Domplatz natürlich wie die Faust aufs Auge. Ich, als große Freundin von Geschichten allgemein und Fantasy im Besonderen, musste natürlich reingehen und mich verzaubern lassen.

Bild: Blick auf das Märchenzelt vor Veranstaltungsbeginn
(Quelle: www.Stadtkonfetti.de)

Zwei Geschichten durfte ich nach Hause mitnehmen. In der einen wurden Feinde zu Freunden und in der anderen, dargeboten von Märchenmund-Erzählerin Melody Reich, ging es darum, in Frieden mit der Natur zu leben.

In dem märchenhaften Ambiente konnte ich ein paar ruhige Minuten verbringen, mich ausruhen und von den Geschichten verzaubern lassen.

 

Lesen und Schreiben – Privileg statt Zwang

Ein sehr wichtiges Thema, wenn es um die Sicherstellung von Wohlstand und Frieden geht, ist selbstverständlich die Alphabetisierung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Stefan Wälte vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V. hat hierzu einen Vortrag gehalten, in dem kurz die wichtigsten Zahlen und Fakten rund um Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben, vorgestellt wurden. Mein Eindruck? Ich erhielt einen kleinen Einblick in eine Welt voll von Scham, Missverständnissen und Leidensdruck. Zu verdanken habe ich diesen vor allem Martin Sell, der selbst viele Jahre Analphabet lebte und bereit war, aus Sicht eines Betroffenen Rede und Antwort zu stehen. Er hat nicht nur großen Mut bewiesen, sondern auch Grenzen aufgezeigt und eingerissen. Vielen Dank dafür!

 

Geiz ist geil!

In dieser mehr als erschütternden szenischen Darstellung haben mich und wohl auch die anderen Besucher Cornelia Kupferschmid und Carola von Seckendorff von Fetter Fisch Performance | Theater bis ins Mark schockiert. Das Thema Kinder- und Zwangsarbeit lässt ja niemanden kalt, aber so drastisch in Szene gesetzt ist die Botschaft unmissverständlich, niemand kann sich mehr aus der Affäre ziehen. Wir wurden eingebunden, umrundet, es wurde geschrien, man erkannte sich wieder. Ein nachhaltiges, interaktives Erlebnis zum Ende meines Tages in Münster.

 

Fazit

Gerne hätte ich noch viel mehr Angebote wahrgenommen, meine Füße taten mir aber schon weh und mein Zug nach Hause hätte wohl auch nicht auf mich gewartet. Alle Veranstaltungen, die ich besuchen durfte, waren mehr als gelungen. Die Zusammenstellung der künstlerischen und informativen Herangehensweisen war abwechslungsreich und bunt. Mir ist es ein absolutes Rätsel, warum die Säle nicht aus allen Nähten geplatzt sind. Die Events konnten gut durch die Aufsteller vor den Veranstaltungsräumen gefunden werden.

Hoffentlich war dies nicht das letzte Aktions- und Familienfest dieser Art. Die Idee und die Umsetzung waren einfach prima. Aus meiner Sicht würde es sich lohnen, ein solches Fest zu etablieren, auch wenn es vielleicht im nächsten Jahr ein anderes Motto trägt.


Artikelbild: Tanzvorführung der inklusiven Tanzschule TanzRaum. Es wurde mit Tüchern, Stühlen und auf imaginären Drahtseilen getanzt (Quelle: www.Stadtkonfetti.de)

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